Sebastian Wywiòrski

"Waterproof Pictures"

15. Juni bis 13. Juli 2014


 

 
 Sebastian Wywiórski

    
   
 

"Waterproof Pictures"

kd.kunst zeigt Bilder von Sebastian Wywiórski

Ruhe, Harmonie, Brummen, Reiben, Lärm, Getöse, Kakofonie, Dissonanz. Diese Themen versucht der junge
polnische Künstler Sebastian Wywiórski in die Sprache der Malerei zu übersetzen. Die Struktur seiner Bilder basiert
auf einer Verbindung von realistischen und abstrakten Teilen. Die Spannung zwischen ihnen interessiert dabei besonders.

Eine Technik, abstrakte Bildteile zu erstellen, ist das Abkratzen alter Lackschichten. Sebastian Wywiórski möchte
aufdecken, was sich unter der Oberfläche befindet. Vergleichbar mit dem langsamen Ablösen von Plakaten auf
Litfaßsäulen. Sie sind plötzlich ungeschützt, abgeschabt . Dann kommt einerseits abstrakte Materie zum Vorschein,
andererseits können wir auch realistische Teile wie Dinge oder Figuren erkennen. Wir reagieren auf das System von
Zeichen aus den Massenmedien. Sie wirken als Einfügung, sind vom Kontext getrennt.

Es gibt in dem Zyklus „Waterproof Pictures“ zwei Arten von Werken. Zur ersten Gruppe zählen Bilder in Öl auf
Leinwand oder Karton die auf klassische Art und Weise realisiert werden. In der zweiten Gruppe benutzt
Sebastian Wywiórski alte große Anschlagtafeln mit PVC-Oberfläche, die er mit Alkydfarben bemalt, welche eine
andere Struktur und Materie als Ölfarben besitzen.

Während des Malens verändert der Künstler den Zusammenhang der früheren Informationsübermittlung. Wywiórski
sagt selbst: „Ich benutze Teile der Originalfotos und gebe ihnen einen neuen Kontext. Die realistischen Bilder sind
sehr wichtig in meinen Arbeiten. Bei den Ölbildern male ich sie. Bei den Bildern auf recycelten Plakaten lasse ich die
echten Fototeile sprechen.“ Wichtig ist ihm der Unterschied in der Wechselwirkung zwischen dem Bild und Betrachter.

Wywiórski leiht sich Ikonen von Menschen, Tieren, Dinge von Werbetafeln, aus dem Internet oder aus Boulevardblättern:
„Wenn wir sie aus Nähe betrachten, können wir sie sehr real sehen, ohne zu stören. Aus der Ferne betrachtet, ist die
Spannung zwischen den verschiedenen Teilen erkennbar.“

Privatsphäre oder Eindruck von Isolation? Der Künstler ist überzeugt, dass die Gesellschaft, einen Sinn für die Balance,
Ruhe, Privatsphäre und Intimität benötigt. Aber seiner Meinung nach befindet sich alles in Unordnung. „Wir reagieren
auf das visuelle, akustische Gebrüll. Das bestimmt unsere Lebensregeln. Aggressive Motive, starke Signale um unsere
Aufmerksamkeit zu wecken. Schließlich ist dies die Ursache der Störung unseres Bewusstseins. Wir akzeptieren
den Lärm und versuchen, mit den Geräuschen zu leben. Schließlich ist permanenter Lärm der Grund für unsere
körperliche und geistige Taubheit“, glaubt Sebastian Wywiórski.

Der Künstler fragt sich, ob der dynamische Fortschritt der Zivilisation der Grund der psychischen Korrosion ist? „Wir
müssen schnell, perfekt, unverwechselbar sein. Brauchen wir einen Sinn für Zugehörigkeit oder brauchen wir trendige
Unabhängigkeit und geistige Isolation? Mag sein, dass Isolation eine neue Form der Privatsphäre ist. Ich weiß es nicht.
Heute haben wir viel, wir wissen viel, und es gibt viele Menschen, die es uns wegnehmen können. Wir müssen uns
verteidigen, und der beste Zaun ist leider die Isolation.“

Das Bild, glaubt der Maler, ist nicht mehr eine Ergänzung für die Sprachmeldung, sondern es wurde zur wichtigsten
Information. Wir glauben nicht, bis wir etwas sehen können. Das moderne Bild, basierend auf der Fotografie, hat die
Bedeutung der Wirklichkeit verändert. Wywiórski sagt: „Wir haben eine Illusion - an Ereignissen teilzuhaben und ihnen
emotional verbunden zu sein. Unabhängig von der Frage, ob es „Big Brother“ oder das politischem Geschehen ist.“

 

                                               

                                                Das Plakat zur Ausstellung